Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit




Eigene Geschichten, Gedichte und co. hier rein.

Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Mi 30. Okt 2013, 17:04

Die hier aufgeführten Geschichten sind unter möglichst genauen geschichtlichen Gesichtpunkten verfasst worden. Eigentlich haben sie mit dem Spiel Sacra Tibia nichts gemein. Sie erzählen nicht vom Helden oder seinen späteren Gefährten. Sie erzählen nichts von legendären Abenteuern und sagenhaften Schätzen. Dennoch ist es mir wichtig, diese Geschichten hier zu erzählen. Alle diese Ereignisse hätten so oder so ähnlich stattfinden können.
Obendrein wird es im Spiel später möglich sein, jede einzelne Person, die hier erwähnt wird zu treffen.


Der Bauer - Einblick in das Gemüt

anno domini 994

Ein Wochentag Mitte März. Es ist die Zeit kurz vor Sonnenaufgang. Der Himmel im Osten wird hell. Die wenigen Wolken, die an ihm hängen, färben sich rosa. In den Büschen beginnen die Amseln zu lärmen und im Stall kräht der Hahn, man kann ihn durch alle Wände vernehmen.

Wigbert, der Bauer, gähnt, reibt sich die Augen und erhebt sich von seiner Pritsche, einem flachen Gestell, gefügt aus grob behauenen Fichtenbrettern, mit einem Strohsack als Unterlage und einem weißgrauen Schaffell als Decke. Neben ihm liegt seine Frau, Hiltrud, sie schläft noch. Sie liegt auf einer anderen Pritsche. Er betrachtet sie: Ihre Haut ist von der Sonne verbrannt, eine braune Haarsträhne hängt ihr in die Stirn, ihre Hände, die sie vor der Brust verschränkt hält, sind schmutzig. Seine vier Kinder schlafen im aufgeschütteten Stroh gleich neben der Feuerstelle, einem aus Lehm gefügten Kochofen, der nach oben hin offen ist, damit der Rauch aufsteigen kann bis unter das Dach, von wo er durch eine Luke entweicht, wenn es denn klappt. Die Feuerstelle ist jetzt tot, weiße Asche und ein angekohltes Stück Buchenholz liegen darin.

Wigbert gähnt nochmals und steht auf. Er trägt ein leinenes Hemd. Er bückt sich nach seinen übrigen Kleidern, die neben der Pritsche auf dem Boden liegen: einer wollenen Hose und einem Rock, den er über den Kopf zieht und der ihm bis zu den Hüften reicht, mit Schlitzen links und rechts, damit er sich besser bewegen kann. Die Farbe der Kleidung ist Dunkelgrau. Bunte Farben würde Balduin, sein Fronherr, nicht dulden. Bunte Farben würde kein Bauer tragen, hier nicht und sonst nicht. Wigbert schlüpft in seine Schuhe, die geschnitzt sind aus Lindenholz. Es hängt verkrustete Erde daran. Wigbert besitzt noch ein anderes Schuhpaar, aus Leder gefertigt und um die Knöchel zu binden. Sie liegen in der Truhe, einer rohen Holzkiste, die eines der wenigen Möbel im Raume ist neben der Pritsche, Schemel und Tisch.
Wigbert ist nicht sehr groß. Seine Haare, dunkelblond und mit grauen Strähnen, sind abgeschnitten in Höhe der Ohren, die übliche bäuerliche Haartracht. Sein Rücken ist gekrümmt von der Arbeit. Seine Zähne sind schlecht. Er weiß nicht genau, wie alt er ist. Er kann sich an ungefähr fünf mal fünf Sommer erinnern, nicht sehr genau, da ein Sommer wie der andere ist, und wenn er nicht wie die anderen ist, sind Katastrophen der Grund: schwere Unwetter, durch die auf den Feldern das Getreide vernichtet wird, Überfälle von bewaffneten Haufen, die das Vieh rauben und die Häuser anzünden, Seuchen, die Menschen und Tiere vernichten. Das Außergewöhnliche ist immer das Furchtbare, nur die Normalität ist das Glück.

Wigbert klatscht in die Hände. Er ruft nacheinander die Namen seiner Kinder, dass sie erschreckt hochfahren, und auch seine Frau schlägt jetzt die Augen auf. Er schlurft durch den Raum, dessen Fußboden gestampfter Lehm ist, und geht hinaus. Die Tür, ein paar zusammengeheftete Bretter, bewegt sich an Lederriemen.

Er will Notdurft verrichten, auf dem Misthaufen, und während er da hockt, blickt er auf sein Anwesen. Es besteht aus zwei Häusern, beide gleich groß, in dem einen leben er und seine Familie und es hält die Vorräte, das andere ist für das Vieh bestimmt. Es handelt sich um einfache niedrige Bauten, mit Wänden aus behauenen Holzstämmen, in die Erde gegraben, der Raum zwischen den Stämmen wurde mit Strohlehm verschmiert. Die Satteldächer bestehen aus Stroh. Es hängt fransig herab, und seine Spitzen schaukeln im Wind, sofern Wind weht. Jetzt weht er aber nicht. Die Luft ist bewegungslos und überraschend warm. Soeben steigt auch die Sonne über den Horizont. Durch den Himmel zieht mit schnarrenden Rufen ein Zug Kraniche, zurück aus dem Süden und auf dem Weg zu ihren Brutplätzen. Die sind wer weiß wo, Wigbert kennt sie nicht und fragt es sich nicht, er hat andere Sorgen.

Während er zurückgeht zu seinem Haus, sieht er dass einige Holzstämme, die es halten, zu faulen beginnen, unmittelbar über der Erdoberfläche, wo Nässe und Frost besonders leicht angreifen können. Das Haus hat noch Wigberts Vater errichtet, der vor ein paar Sommern gestorben ist. Ein Haus hält nicht länger als ein knappes Menschenleben, weiß Wigbert, dann ist es verfault und stürzt ein, und man muss ein neues bauen, am gleichen oder, noch besser an einem anderen Ort, denn auch die Felder sind dann unergiebig geworden, dass man sich besser neue sucht.

Wigbert holt den Ochsen aus dem Stall und greift sich den Pflug, ein einfaches Ding aus Eichenholz, mit hölzerner Deichsel und einem eisernen Dorn. Er geht bis zu seinem Acker und schirrt dort den Ochsen ein, indem er ihm Lederriemen um Hals und Brust legt, die er dann mit der Deichsel des Pfluges verknüpft. Der Ochse brummt und stöhnt. Sein Fell ist an einigen Stellen wundgescheuert, Wigbert musste in den letzten Tagen Geschirrdienst leisten auf der Burg seines Grundherrn, wo ein neuer Palisadenzaun zu errichten war, die Stämme dafür hat Wigbert mit seinem Ochsen aus dem Wald herbeigeschafft.

Wigbert drückt den Pflug in die trockene Erde. Er treibt das Zugtier an, mit Rufen und Stockschlägen. Im Acker hängen noch verdorrte Wurzeln des vergangenen Herbst geernteten Korns, der Pflug holt sie nach oben. Wigbert pflügt leidiglich gerade Furchen in den Acker, er legt sie möglichst eng nebeneinander, später wird er noch einmal quer pflügen müssen, damit möglichst viel Erde aufgebrochen wird für die Saat. Das Feld gleich nebenan, das ihm auch gehört, trägt die fingerlangen Keime der Wintersaat. Sie scheint gut aufgegangen. Auch die Brache, gleich dahinter, zeigt bereits Grün. Er wird den Kindern sagen, sie sollen die Ziegen dorthin treiben.

Während er mit seinem Ochsen am Ackerrand kehrt macht, sieht er, wie Hiltrud aus dem Haus tritt. Sie ist hochschwanger. In ein paar Wochen wird sie ihr siebentes Kind gebären, wenn alles gut geht, wird es am Leben bleiben und also nicht tot zur Welt kommen oder bereits in den ersten Wochen sterben, wie drei von Wigberts Kindern zuvor. Hiltrud macht sich im Garten zu schaffen. Sie lockert die Erde mit einer Hacke. Sie steckt Samen für Kohl und Rüben und tritt sie anschließend fest.

Es wird rasch sehr warm, und noch immer weht kein Wind. Wigbert sieht, wie am Horizont Gewittertürmchen in den Himmel wachsen, er treibt seinen Ochsen zu Eile. Er wundert sich, dass er heute der Einzige auf dem Feld ist. Die anderen Bauern scheinen noch zu schlafen, gestern wurde Hochzeit gefeiert, das ganze Dorf war geladen, es wurde gegessen und getrunken, vor allem getrunken. Met und Wein, viele Krüge voll, Wigbert hat sich zurückgehalten, Wigbert hält sich immer zurück. Er hasst es, wenn Leute lallend und sabbernd auf der Erde liegen. Er möchte nicht so sein. Er weiß, dass die anderen in deswegen belächeln, als wäre er kein wirklicher Mann, das ärgert ihn, aber er ändert sein Verhalten nicht, und warum sollte er? Sagt nicht auch der Geistliche in sein Predigen am Sonntag, Völlerei sei eine Todsünde? Er sagt es und besäuft sich bei gegebenen Anlässen wie irgendeiner der Bauern aus seiner Gemeinde.

Seine Kirche steht in einem anderen Dorf. Es ist größer als dieses und liegt über eine Stunde Fußwegs entfernt. Das Dorf hier, dieses, besteht aus gerade fünf Gehöften. Die Häuser ähneln einander, sie wurden auch alle zur ungefähr gleichen Zeit errichtet, vor vier mal fünf Sommern, nach einer Rodung, auf der die Bäume umgelegt und zu Balken behauen wurden, während man das Gezweig und das Unterholz verbrannte, um auf diese Weise Platz zu schaffen für den Häuserbau und die Felder. Der Vater des jetzigen Grundherrn hatte sich nie eingefunden, um nach dem Fortgang der Arbeiten zu schauen. Er soll ein jähzorniger, finsterer und unberechenbarer Mann gewesen sein. Ganz anders als sein Sohn Balduin, der hat keine Ahnung vom hiesigen Landvolk.

Hinter dem Waldstück, an das Wigberts Hof grenzt, ist heftiges Hundegebell. Offenbar reitet Balduin zur Jagd, zusammen mit seinem Gefolge, unbeeindruckt davon, das es demnächst gewittern könnte. Balduin ist ein Jagdnarr. Er lässt sich die Wildschweine zutreiben, um sie abzuschlachten und dann einfach liegen zu lassen. Als sie neulich in den Wald gingen, um Brennholz zu holen, Wigbert und seine beiden Ältesten, fanden sie an einer Lichtung vier verendete Sauen mit Frischlingen, halbverwest und stinkend, weißliche Maden krochen über das dunkelgraue Fleisch. Hätte man das erlegte Wild nicht besser ausnehmen, die Haut abziehen und das Fleisch verzehren können? Balduin wollte es offenbar anders. Ohnehin lässt er sich, wenn ihm danach zumute ist, von seinen Bauern Schlachtvieh bringen. Auch er, Wigbert, wird demnächst wieder ein Tier auf der Burg abliefern müssen.

Mittlerweile hat sich der Himmel völlig zugezogen, dicke dunkelgraue Wolken drängen gegeneinander, von fern ist Donner zu hören. Wigbert hat seine Furchen gezogen, ungefähr vierzig in der Länge, dreißig in der Quere, er hat Steine aufgelesen und an den Feldrand geworfen. Nach dem Regen, der zu erwarten ist, wird er mit der Aussaat beginnen. Jetzt aber treibt er seinen Ochsen zurück in den Stall und prüft das Fell seines Tieres. Die wunden Stellen haben sich vertieft. Er wird zu seinem Nachbarn gehen müssen, der sich auf Arzneien und Heilmittel versteht. Er wird sich eine heilsame Tinktur für seinen Ochsen holen und dafür mit einem Dutzend Eiern bezahlen. Wigbert kann ihn eigentlich nicht leiden.

Daheim hat Hiltrud die erste Mahlzeit bereitet. Der Raum, in dem sie leben, ist erfüllt von Rauch, der sich unter dem Abzug staut und nicht fortgehen will, da von außen die Wärme auf das Dach drückt. Sie setzen sich um den Tisch, Wigbert, Hiltrud, die Kinder. Sie sitzen auf Schemeln, der Tisch ist eine große, von Schragen gehaltene Platte aus rohem Holz.
Jeder hat vor sich einen Holznapf, in den Hiltrud aus dem Kochkessel Brot füllt. Das Brot ist Brei. Es besteht aus Mehl, mit Milch aufgekocht und mit Honig gesüßt, die übliche Mahlzeit. Sie trinken aus hölzernen Bechern Molke dazu, eine Flüssigkeit die übrig bleibt, wenn von gesäuerter Milch der Quark abgeschöpft wurde.

Draußen zischt ein Blitz, Donner rollt hinterher, es ist das erste Gewitter des Frühjahrs. Die Kinder halten inne, Hiltruds Gesicht ist auf einmal völlig blutleer. Sie hat Angst vor Gewittern. Sie murmelt Gebete. Die zwei kleinsten fassen sich furchtsam bei den Händen. Wigbert selbst löffelt weiter. Beim Kauen knirscht es zwischen seinen Zähnen. Das macht der Abrieb von der Steinmühle, auf der Hiltrud das Korn zerkleinert. Wigbert hat keine Angst vor dem Gewitter, er hat Hunger. Er hat schwer gearbeitet die letzten Stunden und muss Kraft sammeln für die nächsten. Er wird schuften bis zum Sonnenuntergang. Kauend sieht er, wie Hiltrud sich krümmt, und hofft nur, dass sie jetzt keine Fehlgeburt hat. Es wäre eine Katastrophe. Es wäre ein böser Ausfall an Arbeitskraft eben jetzt, da auf dem Hof jede Hand gebraucht wird.

Aber könnte er es ändern? Er muss die Dinge nehmen, wie sie kommen. Gott allein richtet alles.

Das Gewitter scheint sich zu entfernen. Der Donner wird leiser, Hiltrud hat mit dem Beten aufgehört. Die beiden Kleinen geben einander ihre Hände frei. Draußen rauscht der Regen. Das wird dem Winterkorn nutzen, aber die Aussaat wird es beschwerlicher machen.

Man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen. Gott allein richtet alles.

Ende
"Gerüchte schweigen sich schnell rum."
Benutzeravatar
almafan
Konzept Zeichner
 
Beiträge: 67
Registriert: Mo 5. Aug 2013, 20:31

von Anzeige » Mi 30. Okt 2013, 17:04

Anzeige
 

Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Do 31. Okt 2013, 10:54

Das Bürgertum - Zwei Briefe

Im Spätjahr des Herrn 1002

Ich, Wendelin Burmester, grüße Konz, meinen jüngeren Bruder, der da zu Goswyndorf verweilt. Ich benutze die Gelegenheit einer letzten Handelskarawane, die morgen vom Kontor der deutschen Kaufmannschaft zu Tiber aufbrechen will, dass ich Dir diesen Brief zukommen lasse, als ein Zeichen, dass ich mich nicht nur am Leben, sondern bei allerbester Gesundheit befinde.
Ursprünglich wollte ich selbst Teilnehmer jenes Kaufmannszuges sein. Sämtliche Verabredungen waren getroffen und alle rechneten fest mit meinem Aufbruch. Doch der Umstand, dass ein Schiff, dessen Ladung den größeren Teil jenes Handelsgutes enthält, das ich einzukaufen gedenke, noch nicht eingelangt ist, zwingt mich zu einer Verlängerung meines hiesigen Aufenthalts.
Selbst wenn das Schiff heute noch einträfe, worauf ich nicht hoffen kann, müsste ich erst das Löschen der Ladung abwarten, um anschließend mit meinem lucischen, levantischen und davoischen Partnern die letzten Verhandlungen zu führen. Dies alles wird wenigstens eine Woche beanspruchen, wahrscheinlich länger. In dieser spätherbstlichen Jahreszeit muss auch ständig mit einer plötzlichen Verschlechterung des Wetters gerechnet werden, welche das Passieren der Gebirgspässe erschweren würde, wenn es sie nicht unmöglich macht.

Derart ziehe ich es vor, den Winter hier zu verbringen. Ich gestehe, dass es unangenehmere Unterbrechungen als diese gibt. Denn so sehr ich die Umgebung meines heimatlichen Hauses, die Nähe meines Weibes, die Stimmen meiner Kinder vermissen mag, so versöhnt mich mit alledem das Leben hierselbst, dessen Annehmlichkeiten jene in unseren heimatlichen Gegenden vielfach übertreffen.
Die Witterung ist freundlich. Sie ist viel milder als bei uns und das zumal im Winter. Man muss, wenn man aus dem Hause tritt, keinen Pelz anlegen, da man ohne denselben frösteln würde. Vielmehr trägt man ihn, um der Nachbarschaft angemessen zu begegnen und den eigenen Wohlstand vorzuführen.

Die Stadt bietet Zerstreuung der mannigfachen Art. Man trifft auf Menschen aus unterschiedlichsten Ländern, welche ungewöhnliche Hautfarben, befremdliche Gesichter haben und seltsame Kleider tragen. Auch benutzen sie Sprachen, welche man nicht versteht. Und so muss man, um mit ihnen zu reden, sich entweder eines Dolmetschs bedienen oder man verwendet, wenn es sich fügt, den hierorts gebräuchlichen Dialekt, den ich inzwischen leidlich beherrsche.
Das Schiff, dessen Ankunft ich erwarte, befördert kostbare Stoffe und edle Spezereien, darunter solche, die in unseren Gegenden noch unbekannt sind, wie die Gewürze Safran und Ingwer. Die Mengen und Gewichte meiner Bestellungen sind nicht so groß, dass ich viele Lasttiere benötigte, was den Transport für mich einfach und kostengünstig gestaltet. Unterwegs werde ich meine Aufmerksamkeit daher vermehr den lauernden Gefahren zuwenden können, das Schwert an meinem Sattel wird stets griffbereit sein und ich bin, wie Du weißt, ein geübter Fechter.
Wenn ich mein Handelsgut erst heimgebracht habe, hoffe ich, einen hübschen Gewinn aus ihm erlösen zu können. Die Einkäufer des Herzogs zu Annenberg werden mich bestürmen. Dessen bin ich gewiss, denn ihr Herr ist ein Leckermaul und völlig vernarrt in jegliche Art von Luxus.

So sehe ich dem kommenden Frühjahr mit Zuversicht entgegen. Ich will den Winter benutzen, dass ich neue Verbindungen herstelle, weitere Partner erprobe und andere Waffen auf ihre Verwendbarkeit prüfe.
Die Nächte aber gedenke ich in den Armen Lätitias zu verbringen, eine Kebse* mit feuerrotem Haar und sehr weißer Haut. Letzteres teile ich Dir in aller Vertraulichkeit mit, der ich Deiner als meines verständnisvollen und verschwiegenen Verwandten gewiss sein darf.
Es ist, wir heiraten, um unser Vermögen zu mehren und um Kinder zu zeugen. Die Wonnen des Fleisches müssen wir anderswo suchen und da wir damit, wie uns die Pfaffen versichern, eine große Sünde begehen, müssen wir sie anschließend beichten. Der hiesige sehr prunkvolle Dom, der nach dem heiligen Markus heißt, da er von demselben gegründet wurde, lässt die Absolution vielleicht nachhaltiger, gewiss aber angenehmer werden, als die düsteren Kirchen, die unser Norden hat, sie zu leisten vermögen.

Gott sie mit Dir.

* Kebse, Kebs oder Kebsweib ist eine veraltete, heute nur noch im Dialekt verwendete Bezeichnung für eine Konkubine.



Die Antwort

Im Frühjahr des Herrn 1003

Ich, Konz Burmester, grüße Wendelin, meinen älteren Bruder.
Dein langer Brief aus Tiber hat mich erreicht. Ich beeile mich, Dir die Antwort zu senden in der Hoffnung, dass sie bald zu Dir gelangen möge.
Frater Berthold, mit dem wir in der Klosterschule von St.Annen einst die Schrift und das Lesen erlernten, hat, wie Du weißt, eine erfolgreiche geistliche Laufbahn angetreten und will morgen nach Tiber aufbrechen. Die verschneiten Südbergpässe schrecken ihn nicht. Er müsse, versichert er mir, seinen Weg zum Lateran über das Kaufmannsviertel nehmen und will Dir dabei dieses Schreiben überreichen.

Aus alledem vermagst Du zu erkennen, wie überaus weise der Einfall unseres Vaters war, uns etwas Gelehrsamkeit beibringen zu lassen. Wie gerne würde Bertha, Dein Weib, Deine Worte selber lesen uns auf sie entgegnen wollen, wenn sie es nur vermöchte. So habe ich es ihr alles vortragen müssen, ausgenommen jener letzten Zeilen, da Du von Deiner Kebse berichtest, deren Wortlaut ich Bertha lieber verschwieg.
Sie befindet sich recht wohl und ebenso befinden sich Deine Kinder. Dein Weib steht auf kluge Art Eurem Haus vor. Das Gesinde gehorcht ihr ohne Widerspruch. Es war, mein Bruder, ein guter Entschluss, in das blühende Geschäft ihres Vaters einzuheiraten. Ich selbst, der ich die elterliche Waffenschmiede inzwischen allein führe, da unser Vater, gerührt vom Schlagfluss, sich seit fünf Wochen im hiesigen Heilig-Geist-Spital befindet, kann über mangelnden Umsatz zwar nicht klagen, da Streit, Fehde, Turniere und Kämpfe fortwährend und überall stattfinden, doch neide ich Dir den Aufstieg in das Patriziat unserer Stadt, den ich niemals erreichen werde.

Das sonstige Leben hier ist das Übliche. Wir gehen unseren Geschäften nach. Die Ernte vor den Toren war nicht gut, es gab zu viel Regen. Beim Gerber hat es gebrannt. Fünf Häuser wurden zu Asche und Ruß. Ein Fieber geht um, die davon Befallenen tragen rote Flecken am Leib und speien den Auswurf. Hinrich, der Schuhmacher, hat im Zorn einen seiner Gesellen getötet und nun muss er vor Gericht. Erhardt, der Wamsschneider, wird sein Haus vergrößern. Er verdient gutes Geld, da der Hof des Herzogs ihn ständig mit Arbeiten überhäuft.
Ich beneide Dich auch, Bruder Wendelin, um die Kebse mit den roten Haaren und der sehr weißen Haut. Ich selbst muss, wenn ich ins Badehaus gehe, mich mit Gunhild begnügen, der fleischigen gelbhäutigen Magd, deren Haar schwarz ist und die eine große dunkle Warze an ihrem Kinn trägt.
Doch man muss sich mit jenen Dingen begnügen, welcher der Himmel uns bietet, und dafür dankbar sein. Unser Norden ist gewiss weniger annehmlich als Dein Tiber, aber dafür ist er unser Vaterland.

Gott sei mit Dir.

Ende
"Gerüchte schweigen sich schnell rum."
Benutzeravatar
almafan
Konzept Zeichner
 
Beiträge: 67
Registriert: Mo 5. Aug 2013, 20:31

Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Mo 4. Nov 2013, 14:30

Der Mönch - Mönchsregeln

Im Spätjahr des Herrn 1002

Frater Martin grüßt seinen alten, nun schon so lange von ihm entfernt lebenden Bruder - Benedictus.
Augenblicklich sitze ich im Scriptorium des hiesigen Klosters. Meine Brüder sind beschäftigt, einem neuen Kommentar zum Hohelied Salomonis zu lauschen, dessen Wortlaut sie anschließend aufs Pergament bringen sollen, während ich, etwas abseits sitzend, meine Arbeit an einem Evangeliar weiterführe, das ich mit kunstvollen Initialen und kleinen Bildern ausstatte.
Die Fähigkeit dazu, wie Du weißt, wurde mir durch Gottes Gnade zuteil. Nicht nur mein einstiges Mutterhaus, sondern ebenso das Kloster, in dem ich nunmehr lebe, fand daran großen Gefallen. Mein Prior ist ein kunstsinniger Mann. Mehrfach hat er meine Illuminationen mit Lob bedacht und dadurch meine Eitelkeit geschmeichelt. Seit Längerem besitze ich daher das Vorrecht, dass ich, während die Brüder ihre Wörter aufsetzen, mich mit meinen Bildern beschäftigen kann. Kaum beobachtet, einzig meinem Ermessen verpflichtet und darum von den schreibenden Brüdern mit Neid und Misstrauen bedacht.

Jetzt nehme ich mir die Freiheit, diesen Brief an Dich aufzusetzen, was niemand bemerken wird. Die kleine Unregelmäßigkeit, die das bedeutet, will ich mit mir selbst ausmachen, denn ich erachte sie für als lässlich und einer Mitteilung oder gar Beichte darum nicht für wert. Gott kann es nicht missfallen, wenn ich meinem Bruder, der nicht nur mein Freund, sondern außerdem von einer so außerordentlichen Gelehrsamkeit ist, wie ich sie unter den hiesigen Brüdern nicht finde, Gruß und Nachricht zukommen lasse. Daran magst Du gleichermaßen erkennen, dass ich mich in meiner Umgebung nicht besonders gut befinde, obschon auch nicht besonders schlecht. Ich will darum keine Klage führen. Mein Orden, dem ich allen Gehorsam schulde, hat mich an diesen Platz gestellt. Also fülle ich ihn aus, soweit meine Fähigkeiten mir dies gestatten. Gleichwohl denke ich mit Wehmut zurück an das Haus, in dem ich einst meine Unterweisungen erhalten und meine Gelübde abgelegt habe. Es war erfüllt vom Geist der gemeinsamen Frömmigkeit und der fröhlichen Hingabe. Ich kann mich dort keines Zwistes, keiner Ungerechtigkeit, keiner Kabale erinnern, wie ich sie hier oft genug habe erleben müssen.

Ich sage, dass ich mich darum nicht beklagen will. Mein Talent hebt mich unter den Brüdern heraus, dass man mir Achtung, freilich ebenso Missgunst entgegenbringt. Und so kunstsinnig mein Prior ist, so unglücklich verfährt er in seinem Umgang mit den Brüdern. Viele unter ihnen meinen, er liebe Bücher mehr als die Menschen, welche dieselben verfertigen.
Dies nun ist mir fast verständlich, da ich einer ähnlichen Schwäche zuneige, wogegen jene andere Schwäche des Priors, allzu heftig dem üppigen Essen zuzusprechen, mir stets fremd bleiben wird. Das Stillen des Hungers, behauptet er, bereite ihm den nämlichen Genuss wie das Lesen eines Buches. Und in beiden Fällen handele es ich um Gaben Gottes. Die Wahrheit ist, dass er noch mehr als Bibliothek und das Scriptorium die Klosterküche schätzt und stärker als mich, den Illuminator, verwöhnt er meinen Bruder Magnus, den Koch.

Ich wiederhole, dass ich mich darüber nicht beklage. Ich weiß, dass ich es unangenehmer treffen könnte und ich bin meinem Schöpfer dankbar, dass ich es einst besser traf. Schon dessenthalben bereue ich nicht das Gelübde, das ich einst abgelegt und das mich für immer an den Orden fesselt.
Wo sonst hätte ich mich entfalten und meiner inneren Neigung nachgehen können? Mit meinem verklumpten Fuß, der das Gehen beschwerlich macht, hätte ich mich anderswo nicht behaupten können. Ungern denke ich zurück, wie mein leiblicher Bruder, wiewohl viel jünger als ich, sich bei unseren kindischen Raufereien mir überlegen zeigte. Es war gut, dass dann er den Grafentitel erbte und die Burg meines Vaters übernahm. Gut auch, dass mein Vater das Kloster als den für mich einzig geeigneten Ort erkannte.
Mein Bruder verlor vor einem halben Jahr bei einem Feldzug sein Leben. Als ich die Nachricht erfuhr, war mir bewusst, wie weit ich mich der Welt meines Herkommens schon entfernt habe. Mag das hiesige Kloster auch nicht die äußerste Erfüllung mönchischen Lebens bedeuten, so ist es doch besser als jedes Leben außerhalb seiner Mauern und wäre dies selbst dann noch, wenn die hiesigen Zustände unbefriedigender wären, als sie es sind.

Gott sei mit Dir.

Ende
"Gerüchte schweigen sich schnell rum."
Benutzeravatar
almafan
Konzept Zeichner
 
Beiträge: 67
Registriert: Mo 5. Aug 2013, 20:31

Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Di 5. Nov 2013, 18:04

Der Ritter - Eine kurze Biografie

Im Spätjahr des Herrn 1004

Zwei Männer stehen am Sterbebett. Und so spricht der eine zum anderen:
"Über den Adel weiß ich so gut wie nichts. So prachtvoll, wie gesagt wird, scheint er mir hier nicht."

"Wenn es dir gefällt, kann ich kann dir ein Bild in deinem Kopf kreieren. Dieser Mann hier vor dir, wollen wir ihn Jörg nennen, denn so schien er zu sagen, ist mittelgroß und, man erkennt es nun nicht, aber er hat dunkelblondes Haar, das ihm gekräuselt in den Nacken fällt. Auf seinem Nasenrücken wachsen Sommersprossen, und seine Ohren stehen etwas ab. So kann man ihn sich denken, aufgrund dessen, wie er nun hier liegt und wie er wohl zu früheren Zeiten war. Er ist der zweite Sohn und das vierte Kind eines kleinen Grundherrn. Dessen Burg, ein hölzerner Turm. Außer für seine Familie, das sind Ehefrau und fünf Kinder, noch für seine Bettfreundin Platz hat und für das vierköpfige Gesinde. Zwei Knechte und zwei Mägde, die alle anfallen Arbeiten verrichten, die unmittelbar zu Füßen der Burg liegenden Äcker bestellen, sich um das Vieh kümmern und im Haus die Speisen bereiten.
Jörg war sich wohl schon seit Kindertagen bewusst, dass er den Besitz seines Vaters nicht erben wird, da dieses Recht an Friedrich fiel, seinen älteren Bruder. In Alter von sieben Jahren wird Jörg als Knappe zu einem anderen Grundherrn gegeben, einem entfernten Verwandten und dem Adelsrang nach ein Graf. Jörg war dort Knappe, zusammen mit dem gleichaltrigen Grafensohn. Knappe bedeutet so viel wie Lehrling, und in der Tat lernte er, wie man ein Pferd sattelt, wie man mit Bogen und Armbrust schießt, wie man die Lanze einlegt, wie man mit dem Schwert ficht und auch, wie man mit einem Jagdfalken umgeht, denn der Graf besaß vermutlich ein, zwei abgerichtete Greifvögel. Das ist so Sitte. Vor allem aber lernte er zu dienen. Den Umgang mit Waffen konnte er nur nebenher üben, denn hauptsächlich muss er dem Grafen, einem unsteten, trunksüchtigen Menschen mit sehr rotem Gesicht, der eine Neigung zu jäher Gewalttätigkeit zeigt, bei dessen verschieden Tätigkeiten zur Hand gehen. Das sind die Ausritte zu den leibeigenen Bauern und immer wieder die Jagd auf Wildschweine, Hasen und Hirsche."

"Wie kann euer Geist eine solch blühende Geschichte entwickeln?"

"Ich beobachte. All das kann ich an seinem Körper sehen. Diese verheilte Wunde dort, stammt vermutlich von einem Wildschwein, diese Narbe von einem Schlag mit dem Stock.
Zurück zu meiner erdachten Biografie. Als Jörg vierzehn Jahre alt war, so sage ich einfach mal, erlegte er während der Jagd einen riesigen Eber und dazu eine Hirschkuh. Daraufhin durfte er, erstmals in seinem Leben, an einem Trinkgelage teilnehmen. Er hatte einen gewaltigen Rausch, der ihm anderntags einen dumpf schmerzenden Kopf bescherte.
Sein Dasein danach gestaltete sich nicht anders als zuvor. Er blieb Knappe. Er musste die gleichen Dienste verrichten wie alle vergangenen Jahre. Sein Vater spendierte ihm einen Anzug nach der gängigen Mode, zweifarbig grün und rot, mi-parti, mit weiten Ärmeln, engen Beinkleidern und spitzen Schuhen. Die Töchter des Grafen fingen an, hinter ihm zu tuscheln, wenn er in diesem Anzug über den Burghof schritt. Sie wisperten und kicherten, was ihn gleichermaßen verstörte wie ihm schmeichelte. Dabei waren die Mädels sicher dralle und hässliche Dinger, mit strähnigem Haar und schlechtem Gebiss. Manchmal kam auf die Burg ein Sänger. Er sah zerlumpt aus und war, behauptete er, von Adel. Gegen das Entgelt einer warmen Mahlzeit, eines Bettes für die Nacht und einer Brakteaten, die man ihm anschließend aushändigte, sang er zu einer Laute allerlei Lieder von hoher und niederer Minne und von grausamen Aufpassern. Oder er berichtete von Abenteuern in einer fernen Gegend namens Orien, wo es bunte Paläste mit weichen Kissen und murmelnden Brunnen gäbe und wo feuerspeiende Drachen eine Dame bewachen, die man befreien muss.
Bei einem Hoffest erhielt Jörg vermutlich aus der Hand des Herzogs seinen Ritterschlag, gemeinsam mit zwei Dutzend anderen Knappen. Der Herzog war ein graubärtiger Mensch, dessen Finger immerfort zitterten. Mit seinem Schwert berührte er die beiden Schultern Jörgs und murmelte dabei Unverständliches. Anschließend gab es ein großes Trinkgelage. Jörg war jetzt Ritter. Da er also wurde, was er hat werden wollen und werden sollen, fühlte er sich mit seinem Schicksal zufrieden. Er betrank sich mit Wein und Met so ausgiebig, dass er anderntags in einer Pfütze seines Erbrochenen aufwachte.
Er war jetzt Ritter. Er musste sich fragen, was er damit anfangen sollte. Zu seinem Glück geschah es, dass sich der Herzog damals in einen kleinen Krieg mit den Faren einließ.
Jörg lieh sich bei einem Juden Geld, für das sein Bruder Friedrich bürgte und von dem er selbst sich ein auf dem städtischen Rossmarkt ein Reitpferd kaufte. Mitsamt den Truppen des Herzogs, viertausend Leuten, zog er nach Norden, wo es, in der sumpfigen Albiasenke, zu einer Schlacht kam. Sie ging für den Herzog günstig aus, die Faren wichen zurück, und auf dem Schlachtfeld blieben an die zweihundert Tode zurück, über die sich die Leute des Herzogs hermachten, um sie auszuplündern. Jörg war sicher mitten unter ihnen. Er stapfte durch die von Regen und Blut durchweichte Erde, er greift sich außer einem zerbeulten Harnisch noch ein neues Schwert, eine Lanze und, Höhepunkt seines Beutezuges, ein großes goldenes Kreuz, das er einer der Leichen vom blutigen Hals riss.
Das Kreuz brachte er dem Juden. Er beglich damit seine Schulden und bekam noch ein paar Münzen heraus. Er vertrank sie in einer Schänke und bezahlte eine Nacht bei einer Hure. Er fühlte sich als ein Held. An eine unmittelbare Fortsetzung dieses aufregenden Lebens war vorerst nicht zu denken. Also verbrachte Jörg ein paar Wochen auf der Burg seines Bruders, bis dieser ihm bedeutete, dass nun länger kein Platz mehr war.
Jörg hörte von irgendwelcher Landnahme im Osten, jenseits der Meerenge, wo man neue Äcker erschloss. Aber was sollte er, Jörg, mit Äckern? Er war kein Bauer. Er war ein Ritter und er war ein Held."

"Das ist alles sehr detailliert. Wie kommt ihr aus dem Stehgreif zu solcher Dichtung."

"Ich erzähle von Erlebtem. All das und anderes habe ich selbst schon gesehen.
Nun denn, ich fahre nun fort: Aus Zufall geriet er, als er die Stadt besuchte, in eine kleine Versammlung. Ein Mönch mit einem gelben Gesicht voller Pockennarben verkündete, dass ein Heer zusammengestellt würde, um das Heilige Land mitsamt den Stätten der rechten Christenheit den abgefallenen Ostkirchen zu entreißen. Jeder rechte Christ sei aufgerufen, dem rhomäischen Frevel ein gewaltsames Ende zu bereiten. Gewinn winke außerdem, dazu Abenteuer und die höchste Seligkeit im Jenseits sowieso. Die Worte, die der Bettelmönch mit nassen Lippen vortrug, überzeugten Jörg augenblicklich. Er ritt zum herzoglichen Hof, wo der Fürst, der ihn einst zum Ritter schlug, inzwischen tot war. Sein Sohn stellte soeben ein Ritterheer zusammen. Jörg dachte dabei sicher an bunte Paläste mit weichen Kissen und murmelnden Brunnen, an feuerspeiende Drachen, die Damen bewachen. Begeistert ließ er sich das Kreuz auf den Rücken heften und schloss sich dem Herzog an.
Seine Begeisterung hielt nicht an. Unendlich langsam marschierten die herzoglichen Truppen die Albia hinan, vereinten sich mit anderen Rittern, zogen über die Berge und gelangten an einen weiteren Fluss. Es war da bereits Herbst. Es stürmte und regnete oft. Jeder Teilnehmer musste für sich und seinen Unterhalt alleine aufkommen. Manche führten genügend Geld mit sich und hatten dadurch eine vergleichsweise angenehme Reise. Jörg gehörte zu ihnen nicht. Mit anderen, die sich in ähnlicher Lage befanden, zwang er Bauern zur Herausgabe von Brot und Fleisch, bei vorgehaltener Waffe, denn von irgendetwas musste er doch leben. In Ratisbona beteiligte er sich an der Plünderung dortiger Judenhäuser und erbeutete etwas Geld."

"Von den Ausschreitungen habe ich auch gehört."

"Ein Teils schlimmes Gemetzel.
Dennoch: Sie zogen weiter. Seit Tagen regnete es unentwegt. Die Pferde stapften durch den Schlamm, Insekten schwirrten in der nassen Luft und gruben in die Haut der Reiter. Auf Jörgs Gesicht blühten diese roten Pusteln. Handelte es sich um die Stiche von Parasiten? Es musste doch mehr sein. Eines Morgens, da er auf sein Pferd steigen wollte, versagten ihm die Knie. Er schleppte sich bis zum nächsten Kloster, hierher, wo er sich in die Krankenstube legte. Ein Bruder von hier, dessen Sprache er nicht verstand, versorgte ihn mit dünner Suppe und bitteren Tinkturen. Schweiß bedeckte seine Glieder, die auch faulig rochen."

"Sie tun es nach wie vor."

"Ja, so ist es. Über dem, das Denken bereitete ihm Mühe. Manchmal aber träumte er wohl noch von bunten Palästen mit den weichen Kissen und murmelnden Brunnen, auch von feuerspeienden Drachen, die Damen bewachen und die man besiegen muss. Schließlich verlor er das Bewusstsein.
Nun ist es zehn Tage vor Allerheiligen und er wird am Rande des Klosterkirchhofs verscharrt. Nun ist nicht mehr viel übrig, von der höfischen Feinheit, die ihr noch nicht kanntet."

Ende
"Gerüchte schweigen sich schnell rum."
Benutzeravatar
almafan
Konzept Zeichner
 
Beiträge: 67
Registriert: Mo 5. Aug 2013, 20:31

Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Mi 6. Nov 2013, 13:01

Der Kaiser - Auf Fahrt mit der Herrschaft

Im Jahr des Herrn 983

Ich, Walbert, Bruder im Mönchsorden des Heiligen Benedictus, beginne meinen Bericht über unseren Kaiser Otto, meinen gnädigen Herrn. Ich schreibe ihn an einem Abend im Dezember, in der Adventszeit, und ich schreibe ihn in Tiber, dem Mittelpunkt der Welt, wohin der Apostel Petrus, erster Bekenner unseres Herrn Jesus Christus, Sprecher der Apostel, erster christlicher Bischof, und erster männlicher Augenzeuge des Auferstandenen, dereinst das Kreuz brachte.

Ich selbst komme aus Meideborg, dem saxonischen Bischofssitz, den der große Vater unseres gnädigen Kaisers Otto einst gegründet. Ich bin der Sohn eines unfreien Bauern. In jugendlichem Alter eingetreten in ein Kloster, da ich mein Leben der Religion widmen und nicht, wie mein Vater, für immer der Willkür eines Grundherrn ausgeliefert sein mochte, empfing ich die gebotenen Unterweisungen und legte die erforderlichen Gelübde ab. Die Fähigkeit, meine Kräfte angemessen einzusetzen und bei Bedarf die richtigen Worte zu wählen, trugen mir die Aufmerksamkeit meines Abtes Thietmar ein, welcher schon bald in die Hofkapelle unseres Kaisers Otto aufrückte, und als er dort Unterstützung suchte, da die Arbeit ihn zu überwältigen drohte, erinnerte er sich meiner.
Er holte mich zu sich, als der Kaiser Anstalten traf, ein weiteres Mal in die Levante zu ziehen. Ich selbst, gehend auf staubigen Wegen von Klosterherberge zu Klosterherberge, manchmal nächtigend unter freiem Himmel, ebenso oft mit Kaufleuten unterwegs wie auch allein, stieß zu dem Tross des Königs am Fuße der Südberge. Es war im Mai. Die Wiesen blühten. Thietmar, mein früherer Abt, begrüßte mich und machte mich mit den anderen Geistlichen der Hofkapelle bekannt. Inmitten des Königstrosses überschritt ich das Gebirge.
Ich hatte jetzt Anspruch auf einen Esel, dem ich meine Habe und, in Stunden der Erschöpfung, meinen Leib anvertrauen konnte. Der Tross war viele hundert Köpfe stark. Es gingen Lastochsen in ihm, welche Karren zogen. Der Kaiser selbst ritt auf einem Pferd, während seine Gemahlin, wenn sie nicht gleichfalls im Sattel saß, von Mitgliedern ihrer Dienerschaft in einer Sänfte getragen wurde.

Nach der Einförmigkeit des dörflichen Daseins und den gleichbleibenden Tagesabläufen im Kloster gestaltete sich mein Leben seither überraschend, aufregend und bunt. Wäre ich hoffärtig, müsste ich Stolz und Genugtuung empfinden über meinen Aufstieg, doch weiß ich, dass ich ihn, der mir so wunderbar erscheint, allein der Güte Gottes verdanke.
Ich kenne nicht mein genaues Alter, denn mein Vater konnte mir das Jahr meiner Geburt nicht nennen. Vergleiche ich mich mit den anderen Mitgliedern des Hofes, die ihr Alter wissen, müsste ich jetzt um die siebenundzwanzig Jahre zählen, so viel wie unser Kaiser Otto, mein gnädiger Herr.
Seine Frau ist aus Greka gebürtig. Allgemein werden ihre Klugheit und ihr Lachen bewundert, auch ihre Schönheit, für die ich keinen Sinn und kein Urteil habe, weswegen ich hier die Urteile anderer wiederhole. Ihren Sohn, gleichfalls mit Namen Otto, führte sie bei der Überquerung des Gebirges bei sich.
Wir gelangten zunächst nach Verona, eine alte Stadt mit vielen Ruinen. Kaiser Otto hatte hierher einen Reichstag einberufen. Viele Edle sowohl aus Teutonien wie auch aus der Levante waren erschienen. Es wurde gegessen, getrunken und beraten. Wir, die Hofkapelle, waren, außer dass wir täglich Messen lasen, Beichten abnahmen und sonstigen geistlichen Beistand leisteten, mit dem Ausfertigen von Urkunden beschäftigt, manchmal bis tief in die Nacht.
Dann hob der Kaiser Otto, mein gnädiger Herr, seinen Sohn Otto in die Höhe und bat darum, dass die zusammengekommenen Fürsten ihn zu ihrem neuen König erwählten, was alsbald geschah. Die Versammelten schlugen mit Schwertern gegen ihre Schilde oder taten ihre Zustimmung durch laute Zurufe kund. Es war ein sonniger Tag. Das Kind Otto begann zu greinen wegen des um seinetwillen veranstalteten Lärms.
Des Weiteren belehnte unser Kaiser Otto, mein gnädiger Herr, den Herrn Konrad mit dem Herzogtum Suebe und Heinrich, den vormaligen Herrn über Noricum, mit dem Herzogtum Bavaria.

Es waren viele Gaukler, Musiker und Diebe zugegen. Bei den Beratungen fielen immer wieder heftige Worte und mehr als einmal bedrohte ein hoher Herr den anderen, dessen Meinung ihm missfiel, mit der blanken Waffe, was der Kaiser aber glücklich zu unterbinden wusste. Zum Abschluss des Reichtags läuteten die Glocken. Erzkanzler Willigis, der Erzbischof von Magontia, und Herr Johannes, der Erzbischof von Ravenna, geleiteten den neu gewählten König Otto nach Aquis Villa, wo er gekrönt und gesalbt werden soll, wie die Überlieferung es vorschreibt.
Währenddessen zog unser Kaiser mit uns in die apulische Hafenstadt Bari. Auf dem Wege dorthin trafen wir auf bewaffneten Widerstand, denn der Kaiser hatte vor Jahresfrist in der Gegend einen Krieg geführt, den er wegen der Wendenaufstände im Norden dann unterbrechen musste. Nun, da die Rebellion niedergeschlagen war, wollte er den Krieg wieder aufnehmen.
Zuvor musste er nach Tiber eilen, da unser Heiliger Vater, Papst Benedikt, gestorben und ein neuer Papst zu küren war. Kaiser Otto schlug Abt Majolus von Cluny vor, der sich diesem Ruf aber entzog. Nach einer ausführlichen Beratung mit uns, seiner Hofkapelle, bestimmte er als neuen Papst Bischof Petrus von Pavia, der sowohl die Zustimmung der Kurie fand, als auch die der vornehmen Familien von Tiber. Seine Investitur wurde vollzogen. Das Volk säumte jubelnd die Straßen. Ich, der an den Ufern der Albia unfrei Geborene, empfand ein Gefühl der Überwältigung, da es mir vergönnt war, der Zeuge derartiger Ereignisse zu sein.

Nunmehr wollte Kaiser Otto, unser gnädiger Herr, endgültig aufbrechen zu seinem Krieg im apulischen Süden, doch er wurde von einer Krankheit befallen. Das Fieber packte ihn, dass er mit den Zähnen zu klappern begann und seine Glieder zitterten. Salman, sein Leibarzt, ein aus Venetien stammender Jude, behandelte ihn mit bitteren Säften, die er zu sich nahm und die das Fieber zurückdrängten, indessen nur für kurze Zeit. Ständig wurde neben seinem Krankenlager gebetet. Ständig auch lasen wir Messen für seine Genesung. Aber die Hitze kehrte in seinen Körper zurück, auch das Zähneklappern und Zittern stellten sich wieder ein. Thietmar, der Capellarius, mein früherer Abt, gab ihm die Letzte Ölung, als er schon nicht mehr bei Bewusstsein war. Stündlich warten wir nun auf das Ableben unseres Kaisers Otto, meines sehr gnädigen Herrn.

Ende
"Gerüchte schweigen sich schnell rum."
Benutzeravatar
almafan
Konzept Zeichner
 
Beiträge: 67
Registriert: Mo 5. Aug 2013, 20:31

Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Fr 8. Nov 2013, 13:48

Der Bischof Meinwerk

von Hexagon

Das alle Priester des Lesens mächtig sind, sollte man annehmen. Das sie desweiteren nicht nur den heimischen Dialekt beherrschen, die lateinische Sprache in Wort und Schrift verstehen, eigentlich auch. Von großer Redsamkeit sollen sie sein und das in Rhetorik und Gelehrsamkeit. Noch eher sollten diese Attribute auf einen treffen, der sich selbst Bischof nennt und von den anderen mit Eure Exzellenz oder bischöfliche Knaden angesprochen wird. Wenn er sich denn überhaupt dazu herab lässt, mit dem Plebs, dem Landvolk, dem einfachen Manne von der Straße zu reden. Die Gelegenheiten sind dazu rar. Denn ein Bischof zeigt sich nur zu kirchlichen Festakten auf der Straße und ohne Wachschutz schon gar nicht.

Doch da begab es sich an einem Tage zu Ostern, da der Bischof Meinwerk von Balhorn, der seinerseits im Jahre 1009 dem Bischof Rethar nachfolgte, in seinem ersten Jahre, bei seiner ersten öffentlichen Rede, die Versammlung zum Lachen brachte. Ich darselbst, habe mich im Dom zu Balhorn einfinden dürfen. Heinrich II., seit 1002 König der teutischen Lande, im Jahre des Herrn 1024 verstorben, wusste um die kümmerlichen Lateinkenntnisse des ehrenwerten Bischofs. Beide waren nämlich alte Schulfreunde und wurden von den Bischöfen und Äbten in Freisig unterrichtet. Heinrich II. war ein kluger Mann, doch wie alle Könige seiner Linie zu sehr in Kriege verwickelt.
Es war Ostern und der Bischof war erst einige Wochen im Amt. Auch wenn er sich später machen sollte, so war dies kein guter Tag für ihn. Zu sehr gab er sich dem Falschen hin.
Heinrich stiftete nun also einen Kaplan an, an der Stelle der Missala, wo für den König und sein Gefolge gebetet wird: "pro omnibus famulis et famulabus" durch Rasur den Wortlaut: "pro omnibus mulis et mulabus" herzustellen. Den Unkenntlichen möchte ich es erzählen, wie es sich mit der Rasur und dem Latein verhält. Das Pergament jener Tage war ein wenig dicker als das unserer. Aufgeschriebenes konnte also problemlos auch von Laien rasiert werden. Wenn sie denn wüssten, wo es sinnvollerweise etwas zu rasieren gäbe. Beim Rasieren wird mit einer flachen, scharfen Klinge ein Teil des Textes abgekratzt. Was man da als Rasur bezeichnet, wird auch zur Fälschung und Zensur genutzt. Doch in diesem Falle galt es dem Spass.
Meinwerk trug denn auch während der Feiertagsmesse nicht vor: "Für alle Diener und Dienerinnen." Stattdessen wurde der Wortlaut nun als "Für alle Maulesel und Mauleselinnen." ausgesprochen, zum Gespött des Königs. Erst war es still im Hause, doch als der König über seinen eigenen Scherz begann sich zu freuen, wurden auch die anderen laut in ihrem Gelächter.

Der einzige, dem damals nicht zum Lachen war, war Meinwerk selbst. Der bloßgestellte Bischof hat den schuldigen Kaplan vor das versammelte Domkapital zerren und anschließend grausam auspeitschen lassen. Danach wurde er neu eingekleidet und zum König geschickt, sich zu entschuldigen. Heinrich unterbrach ihn noch im Wort. Der fromme König, selbst ursprünglich von Geistlichen bestimmt, hatte nichts an dem liturgischen Schabernack während der Feier gefunden. Ein Osterfest soll Freude bereiten. Denn steht es ja nach der vierzigtägigen Fastenzeit. Diese soll sowohl an die vierzig Jahre währende Wanderung der Israeliten erinnern, als auch an die vierzig Tage die Jeschu von Nazareth, einer der Namen des christlichen Erlösers, in der Wüste fastete und betete.
Es ist das höchste Fest der Christenheit und der blamierte Bischof hat sich unchristlich gerächt.

Ende
"Gerüchte schweigen sich schnell rum."
Benutzeravatar
almafan
Konzept Zeichner
 
Beiträge: 67
Registriert: Mo 5. Aug 2013, 20:31

Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Do 23. Nov 2017, 22:27

In der Stadt

Im Jahre des Herrn 1009
von Hexagon


Der kleine Peter ist sechs Jahre alt. Seine großen Brüder sind auf den Feldern, seit den frühen Morgenstunden. Peter ist froh heut nicht selbst arbeiten oder die Tiere hüten zu müssen. Denn er begleitet seinen Vater Heinrich in die Stadt. Heute ist Markttag. Heinrich und Peter suchen den Feinschmied, denn Heinrich möchte seiner Frau ein Schmuckstück schenken. Heinrich ist Großbauer und kann sich, wenn auch selten diesen Luxus leisten.

Damit Vater Heinrich aber zeitig in der Stadt sein kann, musste Peter noch früher aufstehen, als seine Geschwister. Peter besteigt völlig verschlafen, unter blasser werdendem Sternenhimmel den Karren des Nachbarn. Der nimmt ihn und seinen Vater mit in die Stadt. Er will dort Weintrauben verkaufen. Peter sieht noch, wie die Sonne hinter den Flechtkörben aufgeht, zwischen denen er sitzt, bevor er durch das Schaukeln des Wagens einschläft. Das Tempo ist gemächlich und der Ochse schnaupt eintönig.

Das Knarren der öffnenden Tore weckt den kleinen Mann. Das Geflecht hat den im Schlummerlande weilenden ein Muster ins Gesicht gedrückt. Die Augen noch nicht ganz offen, hebt der Vater ihn bereits aus dem Wagen. Über eine steinerne Brücke geht es durch ein doppeltes Tor. Es ist riesengroß. Die Stadt selbst liegt auf einer Landzunge, die von einem Fluß umspült wird. Eine natürliche Barriere für jeden Angreifer. Dennoch schützt ein Palisadenwall mit hölzernen Türmen die Stadt zusätzlich. Am linken Ufer auf der Stadtseite kann Peter einige Boote sehen. Sein Vater erklärt, dass diese den Fischern gehören, die damit die Reusen abfahren und den Fang einholen. Schiffbar ist dieser kleine Kanal nicht, aber mit den kleinen und wendigen Booten kann man vom Mühlendamm abwärts bis an die Mündung rudern. Das Umland ist weithin abgeholzt und mit zahlreichen Feldern überzogen. Auch Hirten kann Peter sehen

So viele Schafe und Ziegen und Felder hat Peter noch nie gesehen. Er ist das erste Mal in der Stadt. Was ihn drin erwartet, überfordert ihn fast. Am Rockzipfel des Überwurfs seines Vaters krallt er sich ganz fest. Seine Augen sind aber weit aufgerissen. So viele Menschen. Wo kommen die wohl alle her? Wo gehen die alle hin? Und alles ist so laut. Wieso ist alles so laut?
Vater Heinrich wirkt routinierter. Ob er es auch ist oder dies dem Sohn zur Sicherheit vermittelt, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen. Er war schon einige Male hier. Doch wo der Feinschmied ist, das weiß er nicht. Daher fragt er den Torwärter. Der schaut den kleinen Peter an: “Na kleiner Racker, das erste Mal in der Stadt?“ Der versteckt sich hinter dem Vater. Mit einem zustimmenden Nicken lächelt dieser den Wachmann an. Auf die Frage nach dem Feinschmied antwortet der Tormann: “Er ist am Markt bei der Kirche. An seinem Haus ist ein Zeichen: ein goldener Kelch und zwei goldene Ringe.“

Die Handwerker öffnen ihre Läden. Sie klappen den Bretterverschlag vor dem Fenster auf und stützen ihn mit zwei Holzbalken. Vor dem Fenster wird ein Brett auf zwei Holzböcken justiert und die Waren darauf ausgelegt. Überall Symbole und Schilde. Hier ein Hut, da eine Nadel. Dort eine Hufe, hier ein Brot. Vater Heinrich erklärt, dass man so gleich erkennen kann, wo es welche Waren zu kaufen gibt. Peter denkt sich, dass wäre sicher eine tolle Idee für den heimischen Dorfmarkt. Doch sein Vater gibt zu verstehen, dass dort ja alle Bauern mehrere Sachen verkaufen. Die Ausschilderung wäre zu viel des guten.

Peter schaut nach oben. Einige, wenige Häuser sind viel größer als daheim, als sei der Dachspeicher ein Haus auf einem Haus. Doch dann ist Peter abgelenkt. Er hat ein kleines Holzpferd im Schaufenster des Spielzeugmachers entdeckt. Das gefällt ihm wirklich sehr. Plötzlich zieht sein Vater ihn zur Seite. Neben dem Schaufenster klatscht das Wasser aus einem Nachttopf auf die Straße. Sofort lärmen die Leute von unten nach oben und auch zwei Mönche stimmen mit ein. Ihre braunen Kutten hat es auch fast erwischt. Die Frau am oberen Fenster brüllt zurück, dass man dort unten doch gefälligst aufpassen solle. Die Leute auf der Straße sind natürlich im Gegenteil der Meinung, dass man dort oben wohl Rücksicht nehmen müsse. Vater Heinrich nimmt den Kleinen zur Seite und schärft ihm ein, auf solche Dinge zu achten. Der kleine Peter ist nun eine Zeit damit beschäftigt, nur nach oben zu schauen. Der unverhoffte Nachttopfschauer bleibt glücklicherweise aus. Sein Vater amüsiert sich über den unbeholfenen ersten Versuch seines Sohnes die Stadt zu erkunden.

Peter muss aber immer wieder zur Seite. Karren, Lasttiere und Reiter arbeiten sich durch das Fußvolk. Und so ein kleiner Junge kann dabei leicht übersehen werden. So drängt der Vater ihn an den Straßenrand und wo er vorhanden ist, soll Peter auf dem Gehsteig wandeln.
Ein Hund aus einer Gasse kläfft ihn an und sein Vater kläfft zurück. Schnell sucht der Hund das Weite. Peter hatte kurz einen Schreck bekommen, aber sein Papa passt gut auf ihn auf.
Heinrich geht weiter, aber Peter schaut dem verdutzt abziehenden Hund nach. Da entdeckt er eine kleine Münze. Vielleicht ist heute sein Glückstag. Plötzlich hört er von oben: “Aufpassen!“ Jemand lehrt wieder seinen Nachttopf aus dem Fenster heraus. Peter muss schnell zu Seite springen. Vielleicht ist heute doch nicht sein Glückstag. Oder er sollte mit dem Urteil darüber abwarten, bis er wieder wohlbehalten zu Hause angekommen ist.

Heinrich biegt in eine Gasse ab und Peter läuft ihm rasch hinterher. Er will ihn im Gedränge nicht verlieren. Um die Kirche herum stehen viele kleine Häuser. Sie sind alle aus Holz. Schweine fressen die Gemüsereste von den Marktständen. Eine Bäuerin streitet sich mit der Dame vom Nachbarstand. Ihre Ziege hat gerade die meisten Kohlköpfe vom Stand gefressen.
Durch das Gewirr schreien die Händler und angereisten Bauern den vorbeiziehenden Käufern und Interessierten all die Namen der angeboten Stücke. An jedem Stand wird auch um den letzten Pfennig gefeilscht. Krämer und Krämersfrauen ziehen mit tragbaren Verkaufstischen durch die Mengen und bieten allerlei Kleines zum günstigen Preis. Man tauscht sich aus und bespricht miteinander verschiedene Informationen aus verschiedenen Ländern. Eine Magd schöpft Wasser am Brunnen. Um diesen ist der gestampfte Boden schon ganz matschig vom übergeschütteten Wasser.
Am Pranger ist ein Übeltäter angekettet. Er hat einen Käufer betrogen und wird dafür mit Eiern und faulem Gemüse beworfen. Ein Wachmann ist abgestellt, ihn vor ungerechtfertigter Strafe zu schützen. Schläge und Tritte sind tabu. Ebenso das Werfen von harten Gegenständen. Dennoch wird er seine Lektion lernen. Die Leute werden noch lange an ihn denken. Vermutlich wird er künftig andernorts seine Waren feil bieten müssen.
In diesem Umfeld soll also der Feinschmied wohnen? Peter weiß nicht so recht.

“Es ist der falsche Markt. Hier ist der kleine Gemüsemarkt.“, sagt sein Vater. Aber Peter war sich doch sicher, dass der Mann am Tor sagte, der Feinschmied sei am Markt an der Kirche zu finden.
Und hier war ja auch eine Kirche. Nur der Turm fehlte. Doch auf einer Baustelle war großes Treiben. Peter schaut den Handwerkern genau zu. Hier entsteht gerade der fehlende Kirchturm.
Tagelöhner ziehen mit einer Winde Steine nach oben. Ein Maurer schreit vom Gerüst: “Wo bleibt der Mörtel?“ Der Mörtelrührer wuchtet einen schweren Eimer auf ein Brett und es schwebt mit der Seilwinde nach oben. Peter sieht den Steinmetzen gebannt zu. Sie schlagen jeden Stein in die richtige Größe, damit die Maurer ihn an seinen Platz setzen können.

Peter hat nicht aufgepasst. Sein Vater ist verschwunden. Er kann ihn nirgendwo entdecken. Zum Glück haben sie sich vorher ausgemacht, dass sie sich allein durchfragen, wenn sie sich verlieren. Beim Feinschmied wollen sie sich wieder treffen.
Doch dem schüchternen Peter fällt es gar nicht so leicht, Fremde anzusprechen. Bei den ersten Passanten bekommt er vor lauter Aufregung den Mund nicht auf. Die schauen dann auch fragend aus der Wäsche, da der Junge kein Wort herausbringt.
Peter läuft erst einmal durch eine Gasse zur nächsten Straße. Im Metzgerviertel hängen halbe Schweine vor den Läden. Hier sind besonders viele Hunde. Es stinkt aber auch fürchterlich und überall sind Fliegen.
Ein Metzger hackt gerade für eine Kundin Suppenknochen entzwei. Die sieht nett aus, die will Peter ansprechen. Sie beschreibt Peter den Weg durch die Gassen: “Du musst an der großen Schmiede vorbei, wo die Pferde stehen.“ Peter hört aufmerksam zu und versucht das Hacken mit dem Fleischerbeil zu ignorieren.
Gerade als er nach einem leisen Dankesehr den Stand verlassen will, wird er fast von einem Jungen umgerannt, der bestimmt nur zwei oder drei Winter mehr erlebt hat. Der Junge hat ein totes Huhn im Arm und flieht vor dem Geflügelmetzger, der im wild hinterherbrüllt. Auch dieser erwischt fast den kleinen Peter. Die Frau am Marktstand zieht ihn gerade so zurück. "Ja, passen sie doch auf!", ruft sie dem Metzger noch wütend hinterher.

Peter, indes, geht bereits der Beschreibung nach. Doch die große Schmiede ist gar nicht so leicht zu finden. Peter ist verzweifelt. Es gibt so viele Gassen hier. Wie soll man sich da zurechtfinden?
Mägde mit Körben voller Wäsche gehen zum Waschen durch das nahe Stadttor hinunter zum Fluß. Da ist bestimmt keine Schmiede, denkt sich Peter. Nur ein Stück weiter in die Stadt hinein stampfen die Färber mit langen Stöcken Stoffe un großen Bottichen voll bunter, heißer Flüssigkeit. Das stinkt fürchterlich.
Gegenüber findet sich ein Laden mit vielen Schuhen und Lederballen. Das ist offenbar der Laden des Schusters, der obendrein Becher am Oberbrett seiner Theke hängen hat, um sein Angebot zu vergrößern und sich so ein Zubrot zu verdienen. Der etwas blasse, ausgemergelte Schuster ist freundlich und schickt den kleinen Jungen auf den richtigen Weg: "Durch die Gasse hier und dann links! Da ist die Schmiede."

Peter hört nun auch vertraute Töne aus seinem Dorf. Der laute Schmiedehammer hätte ihm schon früher auffallen müssen. Doch die Stadt ist eben sehr laut und ungewohnte Geräusche mischten sich ins Klangbild.
Vor der Schmiede werden Nägel und Sporen, Pfannen und Klingen verkauft. Ein Mann schimpft mit dem Schmied: "Müsst ihr auch in den Abendstunden immer noch weiter lärmen, wenn Ruhe sein sollte?" Peter weiß schon vom Dorfschmied, warum bis tief in die Nacht gearbeitet wird. Die Glut darf nicht ausgehen und man nutzt das Feuer so lange es geht. Ein neues Anfachen auf die hohe geforderte Hitze dauert Stunden.
Gespannt beobachtet Peter, wie ein Pferd ein neues Hufeisen bekommt. Fast vergisst er, nach dem Weg zum großen Marktplatz zu fragen. Wer hier der Meister und wer hier Geselle ist, kann man an den rußverschmierten Gesichtern und kräftigen Oberarmen kaum mehr unterscheiden. Doch der Lehrling ist zu erkennen, auch wenn er ebenfalls schon ordentlich Muskelmasse gewonnen hat. Dieser hilft ihm auch sogleich: "Da vorne links geht's zum Viehmarkt. Von dort ist es nicht mehr weit. Frag da einfach noch mal jemanden."

Peter rennt quer über den Viehmarkt. An einer Gassenecke ist ein Bäckerladen. Hier duftet es gut. Brötchen, Brot, Semmeln, Kuchenlaiber. Hungrig schaut Peter den Bäckern zu. Sie schieben runde Brote in einen Ofen. Und auf der Auslage liegt frisch Gebackenes.
Peter erinnert sich an die Münze, die er gefunden hat. Damit kauft er sich eine leckere Brezel. Es ist das erste Mal, dass er mit Geld bezahlt. Bisher wurde er nur mit Waren zum Tauschen zum Nachbarn oder den Wochenmarkt geschickt. Es ist schon komisch, dass man für ein bisschen Metall etwas zu Essen erwerben kann. Doch die Brezel ist noch warm und schmeckt fantastisch.
Der Bäcker zeigt Peter den Weg. Jetzt kann er sich nicht mehr verlaufen. Die Gasse zum Markt ist direkt vor ihm.

Die Häuser rund um den Markt sehen alle so aus, als würden sie hier zwei Häuser aufeinander stellen. Nirgendwo sonst in der Stadt sind so viele hohe Häuser zu finden. Einige sind bunt bemalt und haben kunstvoll geschnitzte Balken. Eine große steinerne Kirche mit mächtigen Türmen überragt sie dennoch alle. Der Platz ist voller Menschen. Die Waren sind erlesenerer Art. Peter läuft an Ständen mit kostbaren Gewürzen vorbei, an feinem Tuch und Pelzen. Das muss der gesuchte Markt an der Kirche sein, von dem der Wachmann am Stadttor sprach.
Da endlich sieht er seinen Vater. Heinrich steht mit einem Mann vor einem großen Haus. Das muss der Feinschmied sein.
An dem Haus sieht er dann auch das besprochene Zeichen. Auf einer Holztafel ist ein Kelch mit Ringen.
Neben den beiden Männern steht ein Stadtknecht mit gezogener Lanze. Er soll den Laden des Feinschmieds vor Dieben schützen. Er ist groß und kräftig, wie Papa sie mal beschrieb.

Heinrich ist stolz auf Peter. Er hat den Weg ganz allein gefunden. Der Feinschmied bittet beide in den Laden. Er hat ein wohl genährtes Äußeres. Seine Wangen sind rosa und sein Wanzt ist rund. Schicke Kleidung trägt er. Aber er sieht nicht aus wie ein Schmied. Er hat keinen Ruß im Gesicht und auf seinen Gewändern. Auch ist das Hämmern in seiner Werkstatt so hell und leise. Kein Qualm, keine Hitze. Ist der Mann überhaupt Schmied?
Heinrich und der Feinschmied bemerken den misstrauischen Blick von Peter. Doch dann deutet der Meister auf seinen Lehrling. Der ist gerade dabei in die aufgetragene Goldschicht auf einer Vase Gravuren einzumeißeln. "Siehst du Kleiner", erklärt er dem Jungen: "hier geht es zu, wie in jeder Schmiede. Wir bearbeiten Metall, wie alle anderen auch. In unserer Ladenwerkstatt geht es aber, sehr zur Freude unserer Kundschaft ein wenig ruhiger zu. Hier bekommen die Dingecihren letzten Schliff."
Die Tochter des Feinschmieds, Lisa, kommt von der Treppe herunter. Sie ist ungefähr so alt, wie Peter. Sie zeigt ihm, eine kleine goldene Halbkugel. Stolz verkündet sie: "Die habe ich selbst gemacht." Peter ist beeindruckt.
"Am besten kommst du eines Tages als Lehrling zu mir, lacht der Meister, der sich als Antonius vorgestellt hatte.

Heinrich sieht auf dem untersten Brett des Regals eine Schachtel mit vergoldeten Ringen. Auch, wenn er im Dorf einer der Reichsten ist, sind selbst diese kleinen Ringe zu teuer für ihn. Doch in der Schatulle findet sich auch ein silberes Stück. Nicht zu aufdringlich, aber doch wertvoll. So etwas hat Heinrich gesucht. Während die Väter nun also über den Preis des Ringes verhandeln, dürfen die Kinder vor dem Laden den Gauklern des Marktes zuschauen. Peter freut sich und die Stadt gefällt ihm immer mehr. Vielleicht wird er auch einmal hier leben.

Ende
"Gerüchte schweigen sich schnell rum."
Benutzeravatar
almafan
Konzept Zeichner
 
Beiträge: 67
Registriert: Mo 5. Aug 2013, 20:31

Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Mi 17. Jan 2018, 12:53

Wer eine Reise tut ...

von Hexagon

Der Stadtmensch, der sein Heim aus Bequemlichkeit oder der Geschäfte wegen nicht verlässt, kann es sich nicht vorstellen, den Ort von außen zu sehen und sich auf einer Reise zu wähnen. Fürwahr aber ist, dass bei einer solchen immer auch Vorüberlegungen getroffen werden müssen. Es ist nicht so, dass man einfach einen Fuß vor das Tor setzt und unbedarft einfach in die Ferne zieht.
Der Grund der Reise gibt oft den Ort vor. Der Ort wiederum ist in sich der Grund für die Dauer der Reise. Auch ist durch diesen festgelegt, durch welche Lande man zieht und ob Berge oder Flüße die Reise erschweren werden.
Grund und Ort sind in Verbindung miteinander in Betracht zu halten, bestimmen sie doch, wie man reisen und was man alles mit sich führen wird. Für Unbedeutendes wird man die Sicherheit der eingefassten Siedlung nicht missen wollen. Wer vor die Tore tritt, hat immer etwas zu erledigen, was, wenn nicht für andere, dann doch für ihn selbst, wichtig ist. Und so hat ein jeder selbst sein Schärflein. Jeder trägt seine eigene Last. Und jeder hat seinen Grund für den Anbruch der Reise.

Die Straßen sind nicht immer gut begangen. Manche so selten genutzt, dass man sich fragt, ob man nicht schon im Walde steht. Andere Straßen, besonders jene zwischen den großen Städten sind dagegen fast nie verlassen. Aber gangbar sind sie deswegen oft nicht besser.

Wie unter diesen Umständen eine längere Reise vorbereitet wird, zeigt ein Beispiel, eines wohlhabenden Bauern, den ich am Anfang seiner Reise traf. Als er mit seinem Sohn zu einer größeren Reise aufbrach, wie er mir mitteilte, nahm er 2 Pferdeburschen, 2 Packknechte und sechs Pferde mit. Das ist nicht zu viel, wenn man unterwegs Gastfreundschaft begehrt, und nicht zu wenig, wenn man sich gegen Überraschungen zu wehren hat. Denn führt man viele mit sich, die zum eigenen Gefolge gehören, macht ein Wirt aus Angst eines Übergriffs auch mal das Tor in seinen Hof nicht auf. Der Reisende ist stets ein Fremder. Erst in der Ferne und nachdem er zurückgekehrt ist, ab und an, durch seinen erweiterten Horizont, auch in der Heimat.

Was traf der Bauer noch für Entscheidungen?
Sollte man waffenlos reisen? Bedenkt man lediglich den dunklen Wald, wird diese Frage absurd erscheinen. Doch denke man dabei auch an die lokale Politik. Bei Fehde oder Krieg kann man leichter seine Neutralität beweisen und deswegen vielleicht mit dem Leben davonkommen. Andererseits weckt der Fremde grundsätzlich Misstrauen. Kommt er als Spion, als Dieb, als Mörder? Verbreitet er ansteckende Krankheiten, die er sich bei einer Übernachtung im Hospital geholt hat? Auch die Perspektive der Einheimischen ist also zu erfassen. Wie werden sie reagieren?

Ich sehe es dem Halfter an. Der Bauer ließ alle Waffen polieren und schärfte den Knechten, sicherlich mit harscher Stimme ein, eine dünne Fettschicht auf den Klingen zu lassen. Dies ist förderlich. Schon beim geringsten Zug gleiten sie aus der Scheide.
Ich sah auch stattliche Pferde, gut beäugt, stark an Kraft. Sicher hat er es sich nicht nehmen lassen, selbst die Tiere auszuwählen und die Beschläge zu prüfen. Auch ist mir bekannt, dass der Führer der Reise sich das Sattel- und Zaumzeug von seinen Knechten vorlegen lässt. Alles muss stimmen. Das nötige Futter wird selbstverständlich auch in Säcke gefüllt. Das Tier wird nicht hungern, es trägt die meiste Last. Und sollte es im Notfall münden, so lässt sich damit schnell Hilfe herbei holen.

Auch der restliche Haushalt ist in die Planung großer Reisen stets involviert, selbst wenn sie nicht daran teilnehmen.
Die Hausfrau des Bauern sorge sicher für Brot, legte Schinken und Speck zurecht, ein paar Beutel Backobst, zuletzt noch 2 Körbe mit Eiern. Sie brät Hühner für die ersten Tage. Alles in allem genug, um 2 Wochen damit auszukommen.
In der Frauenstube sahen Mägde nähend und ausbessernd Hemden, Kittel, Beinkleider und Strumpfhosen durch. Der Schuster des Hofes nahm jeden Stiefel in die Hand, walkte das Leder, bog die Sohlen und prüfte den Sitz der Sporen. Biberpelze für Vater und Sohn, Schafspelze für die Knechte wurden geklopft. Als schließlich die letzte Wolldecke zusammengerollt ist, stiftet die Hausfrau aufatmend der Kirche eine Wachskerze.

Unterdies hat der Bauer seinen rüstigen Vater für die Zeit der Abwesenheit zum Vertreter bestellt und sich mit Geld und Empfehlungsschreiben versorgt. Dann setzte er, wie jeder Reisende von Stand, sein Testament auf und bestimmt Leistungen für das eigene Seelenheil:
Messen sollen gefeiert, Psalme gesungen, Arme gespeist und Pilger zu fernen Wallfahrtsorten entsandt werden.
Viele Reisende sind unterwegs an Entkräftung gestorben. Andere erlagen der Lepra oder der Malaria, die von den Stechmücken in den versumpften Flußauen und Tälern von den großen Flüßen ausgehen. So mancher, der unterwegs war, ertrank, wurde erschlagen, vom Blitz getroffen oder fälschlicherweise gehenkt.
Für unterwegs Verstorbene gibt es vielerorts Friedhöfe. Der älteste liegt im Schatten des Petersdoms in Tiber: der bestimmt 500 Jahr zurückreichende de Campo Santo Teutonico. Die sterbliche Hülle von Großen wird in die Heimat überführt. Jede Reise ist ein gewichtiger Entschluß. Wie eine Operation am lebenden Menschen mutet sie an. Trotzdem sind die Straßen belebt zu diesen Tagen.

Wem begegnet man auf den Straßen und Wegen?
Der Wallfahrer oder Pilger ist ein typischer Reisender. Er hat nicht viel dabei: Ein langer Mantel diente ihm auch als Decke für die Nacht. Ein großer Hut mit breiter Krempe schützt ihn vor der Sonne und Regen. Münzen, Ausweis, und Empfehlungsschreiben stecken in einer Umhängetasche, daneben Brot, Käse und Nüsse als Wegzehrung.
Kaiser und Könige, unter den Adligen und Bischöfen, die Großgrundbesitzer, reisen von Besitz zu Besitz, um ihre Macht zu demonstrieren und die leistungspflichtigen Untertanen zu kontrollieren. Sie und die Fernkaufleute sind ihr Leben lag unterwegs.
Es überwiegen organisierte Gruppenreisen, Karawanen. Aber viele sind auch allein unterwegs. Weil das aber zu gefährlich ist, schließen sich die meisten Reisenden mit anderen in zufälligen Gruppen für bestimmte Wegabschnitte zusammen. Man ist dadurch gegen diverse Gefahren besser gefeit. Der einzelne wird eher überfallen, als die Gruppe. Und sollte ein natürliches Geschick die Fahrt unterbrechen, so gäbe es Hilfe am Platz oder in jähem Falle wenigstens letzten Beistand und ein bezeugtes Begräbnis.
Eine Berufsgruppe die schon immer viel unterwegs war, gehört nun immer zum Gesindel: die fahrenden Sänger und Schauspieler. Je mehr der Handel wächst, desto mehr sinkt ihr Anwesen in der Gesellschaft. Die kühlen Zahlen scheinen der Kunst gewappnet zu sein und das Verdingen mit letzterer wenig mit den Nöten der Allgemeinheit zu tun.

Wem begegnet man noch auf Straßen? Gesellen sind auf der Walz. An einem anderen Ort suchen sie Lohn und Brot. Bauern sind auf der Landflucht. Können sie die Pacht nicht mehr zahlen, so suchen viele ihr Heil im Reißaus. Kuriere wiederum rennen nicht hinweg, sondern herzu. Botschaften, Briefe, kleine Geschenke. Das alles tragen sie von Ort zu Ort, um es jemandem zu bringen. Soldkrieger sind auf dem Heimweg von der letzten Schlacht. Besitzen sie kein Heim, so sind sie offenbar wieder auf dem Weg in den nächsten Waffengang. Bettel- und Wandermönche sind auf dem Weg zur geistigen Erleuchtung, suchen ein Kloster oder sind vom Abt zum Handeln geschickt. Wanderschäfer und Viehtreiber führen hunderte Tiere hinter sich her. Es geht auf die Bergalm. Es geht ins Dorf. Es geht zum nächsten Viehmarkt.
Gehobene sieht man seltener. Doch auch deren Handwerker suchen dann und wann eine neue Arbeit oder sind bereits auf dem Weg zu einer Baustelle. Wir finden also Architekten, Steinmetze und Glasmaler.
Gar nicht verschweigen will ich das Heer von Vagabunden, Abenteurern und Glückssuchern, von Bettlern und Kranken. Daheim von Armut und Hunger, Elend und Ungeziefer geplagt, haben sie nichts, was sie zurückhalten könnte. Aber egal wer und weshalb und wohin: Die meisten der Wanderer, auch jene wider Willen, gehen zu Fuß. Viele gar barfuß - aus Armut oder Hitze oder der Buße wegen.

Sie alle haben ihren Grund, ihren angestammten Sitz zu verlassen und in die Wildnis zu ziehen, die einen zwangsläufig umgibt, wenn man sich auf die Reise macht.
"Gerüchte schweigen sich schnell rum."
Benutzeravatar
almafan
Konzept Zeichner
 
Beiträge: 67
Registriert: Mo 5. Aug 2013, 20:31

Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Mo 29. Jan 2018, 22:56

Die dreckige Seite Agrippinas

von Hexagon
Im 1. Jahr der Herrschaft Heinrich II., Sohn des verblichenen Otto III., aus dem Haus der Ludolfinger, den Fürsten über Sax, der König der teutischen Lande und König des Tiber, dem Reich des Herrn auf Erden, Hegemon über die Lombardei, Fronherr der Krone, Schirmherr und Heerführer der christlichen Lande, nun der Sohn selbst Inhaber dieser Titel und Ehren


Das teutische Reich verfügt über keine Hauptstadt. Wenn es aber eine hätte, sicher wäre es Agrippina, wenn es nicht Tiber wäre.

Ich war lange nicht mehr hier. Agrippina hat sich verändert. Und nicht wirklich zum Guten.

Dreck liegt überall, mehr als in anderen Städten. Überfüllt ist sie. Laut ist sie. Zu schnell gewachsen in den letzten Jahren. Ein fauliger, beißender Gestank lässt Kaufleute, wie Erntebringer wünschen, ihre Geschäfte in dieser Stadt schnell zum Abschluss zu bringen. Seuchen, die das ganze Hinterland ergreifen, haben hier oft ihren Anfang. Sie brechen hier aus oder werden mit einem der zahlreichen Schiffe eingeschleppt. Kein Tag vergeht, an dem nicht die Männer mit den schwarzen Kutten durch die Straßen ziehen und wieder einen Toten auf der Bahre tragen. Einen jener Unberührbaren, da der Tod schnell beim nächsten ist. Sie tun ihren wertvollen Dienst und werden doch verachtet. Einen ehrlichen Beruf dürfen sie nicht ausüben. Die Stadtoberen verbieten ihnen die Braut. Und selbst wenn sie dürften, die wenigsten wollen einen solchen als Schwiegersohn aufnehmen. Wenn sie doch einen Bastard aufziehen, so müssen sie es neben der Arbeit allein tun. Ein Erbe gibt es nicht. Und Aufstieg ebenso wenig. Sträflich macht sich fast die Frau, die die Schande gesteht, ihr Kind sei von einem der schwarzen Kutten.
In ihrer Not tut sich der Stand zusammen. Obschon, die Stadtoberen verbieten eine Versammlung als Berufsstand. Sie wird ihnen verwährt. Doch groß ist die Macht der Brüderlichkeit. So leben sie oft unter ihres gleichen, zusammengerottet in Hinterhöfen und schmalen Gassen. Wenn einer stirbt, den die Seuche dahinraffte, dann kommen sie wieder aus ihren Winkeln und werden ihn bergen, für einen Groschen oder weniger.
Die schwarzen Kutten also dienen als Abschreckung. Schaulustige sind dennoch immer dabei. Man will die Männer bei ihrem makaberen Spiel beäugen. Jene die nur dafür sorgen, die Seuche ein kleines Stück einzudämmen. Verkauft werden darf ihn nur über den Stock. Ein langes Holz schiebt die Ware zu ihnen, nachdem das Geld zuvor mit diesem herangezogen wurde. Niemand grüßt sie, niemand will sie. Und doch braucht die Stadt diese Männer. Diese gehören zum Stadtbild, seit sie erstmals im Jahre 803 bei der großen Pest mehr Arbeit bekamen, als sie bewältigen konnten. Nicht eine Familie, die nicht jemanden verlor. Mehr als ein Drittel der Stadtbevölkerung raffte dahin. Andere Orte traf es nicht so hart. Das ist das Los großer Städte.
"Totenträger", "Schwarzkutten", "Totenbringer" oder"Pestschlepper". Das sind alles gängige Bezeichnungen für die fleißigen Männer. Damit drückt der gemeine Mann seine Bewunderung für den Mut und gleichermaßen seine Verachtung über diese Armen aus. Sie dienen dem Gemeinwohl und sind dennoch nicht in der Gemeinschaft.

Auch ich erschrak, als sie das erste Mal meinen Weg kreuzten. Doch nun, da ich um sie weiß, empfinde ich nur noch Mitleid. Die armen Hunde unter den Kutten wissen, dass sie die nächsten sein könnten, die verenden und im Verdacht der Seuche außerhalb der Stadt, weit ab der Mauern in irgendeinem Massengrab verscharrt werden. Kein Stein wird ihrer gedenken, kein Holz wird zur Andacht mahnen.

Die Stadt selbst zeugt allgegenwärtig von der großen, fast ewigwährenden Geschichte. Die Präsenz der Rhomäa ist ebenso wenig der Stadt entschwunden, wie die Zeiten der ersten Christen, der merowingischen Herrscher und der karolingischen Dynastie. Oft geht man nur von Viertel zu Viertel und findet sich in einer anderen Zeit. Den Glanz, gewiss, muss man suchen wollen, möchte man ihn finden. Agrippina überstrahlte einst das päpstliche Tiber, das durch die Herren in Konstantinopel noch immer nahtlos an die imperialen Epochen anzuschließen vermag. Agrippina ist heute größer, dass lässt sich nicht bestreiten. Aber schöner ist es nicht.
Wo ist sie hin, die Kunst, eine so große Stadt sauber zu halten? Es findet sich kaum ein Moment, wenigstens das Gröbste zu beseitigen. Doch es gibt sie, die falsche Sauberkeit. Der Pasig durchfließt den Ort von Ost nach West und trägt ihn weg, den Müll, der falschverstanden durch diesen die Stadt verlässt. Der Fluß selbst war einst die Hauptversorgung für sauberes Trinkwasser aus den nahen Rhonebergen und lieferte durch jahrtausende alte Baukunst unterirdisch auch Wasser in die Zisternen und Brunnen der Stadt. Heute erstickt er im Dreck, der sich ungefiltert ins Hafenbecken ergießt. Bis an den alten Truskenwall, der dem Hafen, als künstlicher Damm von den Rhomäa aufgeschüttet, vorgelagert liegt. Es stinkt das ganze Wasser. Fische fängt hier keiner mehr. Bei Sturmflut wirft das Meer den Dreck zurück an Land, so als wollte Poseidon sein Meer rein halten.
Wäsche wäscht hier keiner mehr. Wer das Wasser verwenden will, muss es lange auskochen. Man begegnet dem Problem auf amüsante Weise und sorgt somit für die Wirtschaft. Der Handel von Bier und Wein blüht prächtig, denn gefiltert ist das nasse Gut und Hopfen, Hefe und Traube überdecken den übrigen Gestank. Für wahr, einen Feinschmecker lockt man damit nicht. Es bleibt: Das Wasser ist vergiftet.

Ähnliche Sorgen scheint es aber vor mehr als Tausend Jahren schon einmal gegeben zu haben. Wandert man in der Stadt dem fäulnisdarbenden Fluß entlang, so kann man in den niederen alten Handelshöfen, kaum über dem Wasserspiegel des Flusses, Zeugnisse vergangener Versuche finden, die Stadt vom Müll frei zu halten.
Ein riesiges, grobes Gitter liegt halb in den Fluß ragend, bleiern am Boden. Flußaufwärts finden sich abgescharbte, abgeschmirgelte Schaniere im Wasser. Sie sind bearbeitet durch den Fluß, vielmehr noch aber durch die zahlreichen kleinen und großen Fetzen, Hölzer, Schlick und Sande, die mit dem Fluß ins Meer gespült werden.
Das Gitter scheint länger als der Fluß breit ist und auch die Riefen und Vertiefungen im Boden sind nicht auf den jeweils gegenüberliegenden Seiten. Sie sind leicht versetzt. Deute ich diesen Fund richtig, so wurde das Wasser nicht nur grob durchsiebt, sondern der Schmutz zur etwas flussabwärts gewandten Seite geleitet, wo auch heute noch ein flaches Becken darauf hinweist, dass hier der Müll in diese Senke gespült wurde.
Ich war nie hier, als die Anlage noch tüchtig ihren Dienst vollrichtete, aber ich kann mir vorstellen, dass der gesammelte Abfall mit Karren weiter weg transportiert wurde. Aus anderen Städten jener Zeit ist mir bekannt, dass der Müll eine Strecke weit vor den Stadttoren aufgetürmt und dann verbrannt wurde. Mit der gewonnenen Asche konnte dann der Acker gedüngt werden. Wieso sollte es hier einst anders gewesen sein?

Offenbar war eine solche Schleuse auch nahe der Stelle verortet, an der der Fluß in die brahmsche Bucht mündet. So blieb das Hafenbecken einst sauber und man konnte sicherlich ein paar große Brocken angeln, all das zwischen Galeeren und Trimeren. Ich will die Zeit von damals nicht bewerten, aber malerisch klingt es wohl.
Da in alten Handschriften von großen Schleusen geschrieben steht, sehe ich meine Annahmen bestätigt.

In der Stadt finden sich auch viele Zugänge zur einst viel gerühmten Kanalisation. Die meisten Eingänge entpuppen sich heute als Sackgassen, da kurz nach der Tür, so sie denn nicht heraus gebrochen ist, die Tunnel im Laufe der Zeit und in ermangelnder Wartung eingestürzt sind. Oft sind sie auch zugeschüttet, um Dieben ein Versteck zu verleiden. Zu meist aber sind die Zugänge einfach unbedacht überbaut worden. Sie stecken unter den Böden oder hinter zugemauerten Wänden. Die Straßenverläufe haben sich geändert und so findet man nicht mehr viele dieser Tore in eine Stadt unter der Stadt.
Dort aber sicherlich wird die Zeit ebenso Einzug gehalten haben. Die noch offenen Eingänge dienen sicher einigen Säckelschneidern, Langfingern und Räubern als eine heimliche Bleibe. Die verwinkelten Gänge sind für die Stadtwachen ein Graus. Niemand will sich so recht da unten auskennen. So fand auch ich keinen Führer. Aber vielleicht habe ich auch nur die falschen befragt. Ich gehe davon aus, aber ich kann es nicht beweisen, dass die meisten Abschnitte mittlerweile den eingestürzten Toren zu diesen gleichen.
Vergangen ist sie, ach, die große Zeit. In jenen soll jede größere Stadt im Burgenland eine Kanalisation besessen haben. Doch Abwässer führen wohl nur noch die wenigsten Teile davon.

Erhebt man den Blick über die Stadt, so wird gewahr, dass noch mehr Zeugnisse aus alten Tagen vor aller Augen ihre Vergangenheit stumm kundtun. Ziegelsteine aufgetürmt bis über die Dächer der Stadt trugen einst Bögen die ganze Höfe überspannten und zu den Zisternen und großen Brunnen der Stadt führten. Da auch jene mit dem Zusammenbruch des Westrhomäischen Reiches nicht mehr in Stand gehalten wurden, brachen irgendwann die Bögen ein.
An einigen Häusern lässt sich nachweisen, dass sie anschließend aus jenem Material verfertigt wurden. Steinerne Häuser haben sich also durch diese Art des Steinbrechens erhalten. In anderen Städten ist der Steinbau zum Erliegen gekommen und sie muten an, wie große Dörfer aus Holzhäusern.
An vielen Stellen aber sind die Kolosse erhalten geblieben und nehmen die Sonne von der Straße. Sie werfen weite Schatten. Bildlich und symbolisch. Denn auch sie sind Zeugen einer Zeit, in der die Geschicke des Menschen bessere waren und er Bauten errichten konnte, als sollten sie zum Himmel reichen. Einige Kolosse aber sind selbst gestürzt. Ihnen half es wenig, die Bögen abzuwerfen. Nicht selten liegen sie noch heute da, wo sie Jahrhunderte her ihren Niedergang erfuhren. Die Straßen sind hindurchgezogen worden und der Schutt auf's Gröbste beräumt, aber oft auch wurde die darunter liegende Wegführung oder der darunter liegende Hof aufgegeben. Und so bleibt liegen, was keiner Ordnung bedarf. Bewuchs macht sich darauf breit und Tiere siedeln hier an. Inmitten der unruhigen Stadt entstehen so Oasen der Ruhe. Bäume sind hier keine zu finden, da sie schnell dem Praktischen dienen und im Ofen landen oder herausgerissen als Ausbesserung am Reetdach angebracht werden. Kleinere Sträucher und Unkraut überwuchert aber die steinigen Haufen und bietet manchem Tier Unterschlupf.
Allein eines der Aquädukte, wie die Rhomäa sie nannten, ist noch erhalten geblieben und tut wenig verlässlich seinen Dienst. Ihm allein ist es zu verdanken, dass noch ein Restgehalt klaren Wassers die Stadt erreicht. Aber es bröckelt an vielen Stellen auf der gesamten Strecke. Und der endgültige Bruch ist nur eine Frage der Zeit. Keine Kenntnis mehr hat einer der Steinmetzen, sie zu restaurieren. Keine Kenntnis hat der Baukundige mehr eine Restauration zu planen. Kein Geld hat mehr einer, diesen Aufwand zu zahlen.

Neben Tod und Verfall sahen meine Augen dann kurz vor meiner Abreise dann doch einen Funken Reinlichkeit. Unbeholfen zwar, aber einmalig im Okzient, haben sich in den letzten Jahren Gestalten ins Stadtbild gemischt, die man früher nie kannte. Auch sie werden gemieden, da sie nur dem Dreck der Stadt verpflichtet sind. Straßenfeger nennt man sie.
Von den Stadtoberen angestellt, aber in keinem Amt versehen, schieben und schleppen sie den Müll der Straßen umher. Was der Regen nicht fortspült, weil es in Ecken liegt oder zu schwer ist, bringen sie in Rinnen oder fahren es mit dem Karren. Sie schütten alles ohne Unterscheidung in den ohnehin toten, viel zu vollen Fluß. Dieser trägt, was er noch zu tragen vermag, in den Hafen.
Nach der Langfristigkeit eines solchen Handeln fragt hier niemand. Und es wird sicherlich wieder zu Problemen führen, die heute noch keiner sehen kann oder will. Aber es dient der Stadt, auch wenn die paar Hanseln dem Dreck der Straßen nicht Herr werden. Merklich dennoch in welchen Gassen sie vor kurzer Zeit schon waren und in welchen nicht.

Der Fluß kriecht mit der Last nur noch. Einst soll er ein Quell an Kraft gewesen sein.

Ja, Agrippina hat sich verändert. Und das nicht zum Guten.
"Gerüchte schweigen sich schnell rum."
Benutzeravatar
almafan
Konzept Zeichner
 
Beiträge: 67
Registriert: Mo 5. Aug 2013, 20:31



Ähnliche Beiträge

Sacra Tibia: Justin - Träume
Forum: Eigene Werke
Autor: almafan
Antworten: 3
Sacra Tibia: Berion - Der Golem
Forum: Eigene Werke
Autor: almafan
Antworten: 3
Sacra Tibia: Hexagon - Die Mönche
Forum: Eigene Werke
Autor: almafan
Antworten: 3
Sacra Tibia: Der Richter und der Teufel
Forum: Eigene Werke
Autor: almafan
Antworten: 0
Sacra Tibia: Zwei Augen
Forum: Eigene Werke
Autor: almafan
Antworten: 4

Zurück zu Eigene Werke

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron